davon habt ihr alle zu Hause, in Form von Batterien. Der See enthaelt 40% der bekannten Lithium-Vorraete. Der Rohstoff wird gewonnen, indem Wasser unter der Salzkruste abgepumpt wird. Zwei Drittel der Weltproduktion kommen von hier. Negative Einfluesse auf die Oekologie des Sees werden logischerweise befuerchtet.
1000 m hoeher kamen wir ins kleine Dorf Socaire. Hier werden noch Reste der Inkaterrassenfelder bewirtschaftet. Es gibt auch eine Dorfschule, die sich um
Anschluss ans 21. Jh. bemueht. Insgesamt aber, so las ich in der Zeitung, sind die Ausstattungs- und Leistungsunterschiede zwischen Stadt- und Landschulen ganz enorm. Typisch zumindest fuer diese Gegend sind die seitlich offenen Sporthallen - es
regnet ja fast nie.
Auf 4300 m Hoehe erreichten wir wundervolle Seen unterhalb der schneebedeckten Vulkane.
Am naechsten Tag besuchte ich eine weitere wichtige Rohstoffquelle der Welt, naemlich den Kupfertagebau Chuquicamata. Die Mine war frueher in US-Besitz. Sie wurde von der Unidad Popular verstaatlicht. Es war dies die einzige Verstaatlichung, die die Militaerjunta nicht rueckgaengig machte.
Bis 2008 wohnten die Arbeiter und ihre Familien direkt auf dem Minengelaende. Wegen der grossen gesundheitlichen Beeintraechtigungen wurden sie dann ins 10 km entfernte Calama umgesiedelt. Heute lebt nur noch Pinocchio in dieser Geisterstadt.
Erz und Abraum werden mit LKW abgefahren, die bis zu 330 t fassen. Sie wirken
aber wie Ameisen vor dem Hintergrund des 1000 m tiefen und 15 Quadratkilometer
grossen Loches in der Erde.
Ein Grossprojekt in der Naehe San Pedros ist der Bau des Radioteleskops Alma. Wegen der klaren Luft wird es in ueber 5000 m Hoehe gebaut. Technische Probleme wegen der Hoehe werden die Fertigstellung um mehrere Jahre verzoegern. Teleskopteile werden aber bereits angeliefert.
Als naechstes ging es nach Iquique am Pazifik. Die Stadt liegen in wuestenhafter Umgebung vor hochaufragenden kahlen Bergen. Der erste Eindruck war enttaeuschend, vor allem wegen der zahlreichen Apartment-Hochhaeuser. Aus der Zeit des Salpeterbooms ist aber eine huebsche Innenstadt mit Holzhaeusern und hoelzernen Buergersteigen geblieben.
Iquique ist eine sehr sportliche Stadt. Skateboarder mischen die Fussgaengerzone auf, am Strand ueben sich Jogger und Kampfsportler, im Wasser warten Surfer auf die Riesenwelle, und neben dem Kreuz oben auf der Kordillere steht die Gemeinschaft der 7-Tage-Parapentisten und erfleht guenstige Thermik.
Die groesste Ueberraschung fuer mich> es gibt hier eine Seeloewenkolonie mitten in der Stadt. Sie sammeln sich abends auf dem Anleger fuer die Hafenrundfahrten.
Nur wenige Meter weiter kann man Pelikane beobachten.
Erinnert sich bei Fritz Steinhoff noch jemand an die zentralen Wandertage? In Iquique gibt es sie noch. Am Freitag waren alle Schulen der Stadt unterwegs.
Am Vortag dagegen geschah etwas in Deutschland Undenkbares. Es fand ein Streik der Schulaufsicht statt. Er richtete sich gegen ein neues Schulgesetz, das auch in Chile den Unterrichtseinsatz von Seiteneinsteigern ermoeglichen soll. Der Lehrerberuf scheint hier nicht populaer zu sein. Neben dem Lehrermangel wird aber noch ein anderes Argument fuer die Seiteneinsteiger angefuehrt. Fast nur Schulabsolventen mit schlechten Noten nehmen naemlich ein Lehrerstudium auf. Ein Untersuchung an Absolventen der Primarlehrerausbildung zeigte jetzt, dass diese im Schnitt nur 47% der auf den Grundschulstoff bezogenen Fragen richtig beantworten koennen. Durch die Seiteneinsteiger soll nun alles besser werden.
Soweit fuer heute, ich muss mich jetzt zur peruanischen Grenze aufmachen.
Ich wuensche euch schoene Osterferien bzw. -tage!
Beste Gruesse
Hans
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