Grüsse aus Puno, der grössten Stadt am Titicaca-See - und der bisher hässlichsten auf dieser Reise.
Bei der Einreise nach Peru fielen mir schnell zwei wesentliche Unterschiede zu Chile auf. Zum einen sprechen die Peruaner ein deutlich verständlicheres Spanisch. Zum anderen ist die Küche wesentlich besser. Das hat einen einfachen Grund: sie verwenden hier Gewürze!
Zuerst war ich in Arequipa. Die Stadt liegt vor einer Kulisse von Fünf- und Sechstausendern und hat eine wunderbare koloniale Altstadt.
Bereits am Montag war die Karwoche in vollem Gang, und ich geriet gleich in
zwei Messen. Am Dienstag gab es schon die erste Prozession, die ich von einem privilegierten Platz aus beobachten konnte. Die Plaza in Arequipa wird auf einer
Seite von der Kathedrale gesäumt, die Gebäude auf den anderen drei Seiten haben doppelstöckige Arkaden, und ich sass oben in einem Restaurant.
Grösste Sehenswürdigkeit Arequipas ist das Kloster Santa Catalina. Es nimmt ein ausgedehntes Gelände ein und ist seit 1970 zu besichtigen. Einmal eingetreten, durften die Nonnen das Gelände nie wieder verlassen. Gespräche mit Verwandten waren begrenzt, Nonne und Gesprächspartner waren durch ein Gitter und einen Vorhang getrennt. Die Nonnen hatten Einzelzellen. Zum Schutz vor Erdbeben befanden sich
die Betten in Wandnischen.
Hier noch eine typische Strasse in der Altstadt, im Hintergrund der 6075 m hohe Chachani.
Die Angst vor Einbrecher ist ganz offensichtlich gross. Am zweiten Tag kam ich durch ein Viertel mit neuen Apartments und Reihenhäusern. Diese Anlagen waren alle von Mauern umgeben, die von elektrisch geladenen Drähten gekrönt waren. Der Zugang war
nur durch ein bewachtes Tor möglich.
Nach den vielen schönen Eindrücken in Arequipa war Puno schockierend. Es sieht hier aus wie in einem Ort in Jugoslawien oder Nordgriechenland in den 70er-Jahren: Betonskelettbauten, ausgemauert mit unverputzten Ziegeln. Aus fast allen Dächern ragen Moniereisen, um zukünftig aufstocken zu können.
Schöner ist die Umgebung. Das Land rund um den See ist fruchtbar, und die Terrassenfelder, die auf die Vor-Inka-Zeit zurückgehen, werden teilweise noch bebaut. Die Landflucht ist allerdings erheblich, und das Ziel heisst dann meistens Puno.
Lamas und Alpakas konnte ich aus nächster Nähe betrachten. Hier ein junges Alpaka:
So sieht Quinoa aus, eine altamerikanische Getreidepflanze:
Und das ist eine Auswahl aus den über hundert Kartoffelsorten - das Andenhochland ist die Ursprungsregion der Knolle:
In der Nähe Punos liegen die Schilfinseln der Uros im See. Das sind recht grosse Inseln, die aus Schilf errichtet werden und mehrere Häuser tragen können. Diese
Inseln wurden ursprünglich errichtet, um vor Invasoren sicher zu sein. Heute stehen sie voll im Dienst des Tourismus. Für mich war es trotzdem ein eindrucksvolles Erlebnis, über den schwankenden Boden zu trotten. Mit unserem langsamen Boot fuhren wir dann noch zu einer zweiten Insel, die vollständig terrassiert war. Bei klarem Himmel hat man hier bestimmt eine wunderbare Aussicht, heute aber war es leider bedeckt.
Von meinem Zimmer aus sehe ich auf die Rückseite einer Schule. Die Kolleginnen und Kollegen waren so freundlich, mich schon mal auf die erste Unterrichtsreihe hinzuweisen, die nach meinem Sabbatjahr ansteht: Nos conocemos - Wir lernen uns kennen!
Aber vorher steht noch die letzte Etappe an: Morgen fahre ich nach Cuzco. Ich fahre nicht mit einem Linienbus, sondern mit einem Touristenbus, der an den Sehenswürdigkeiten unterwegs hält. Ich hoffe, das erspart mir die ätzenden Videos, die in den Linienbussen immer gezeigt werden. Besonders in Chile und Argentinien gab es immer wieder Actionstreifen von grosser Brutalität und entsprechend mit nicht enden wollendem Gebrüll und Geballer. Natürlich fuhren in den Bussen auch Kinder mit, aber das scheint hier bei der Filmauswahl keine Rolle zu spielen. Leider vergass ich jedes Mal, die Ohrstöpsel ins Handgepäck zu packen.
Euch allen frohe Ostern, vielleicht melde ich mich noch einmal aus Cuzco.
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