Donnerstag, 23. April 2009

Das letzte Bild ...

... sollte eigentlich dieser Schnappschuss aus Cusco werden - aufgenommen auf dem Heimweg von meinem vermeintlich letzten Abendessen in Peru. Es kam dann etwas



anders. Aber der Reihe nach:

Nach meinem Aufenthalt am Titicaca-See fuhr ich nach Cusco, das bis zur Eroberung durch Pizarro und seine kleine Truppe die Hauptstadt des Inka-Reichs gewesen war. Den Spaniern gelang es nicht, die berühmten fugenlosen Mauern der Tempel und Paläste



vollständig zu zerstören. Deshalb gingen sie dazu über, ihre eigenen Bauten - hier



die Jesuitenkirche - auf den Inka-Grundmauern zu errichten. Die Innengestaltung der Sakralbauten erfolgte häufig durch einheimische Künstler, die Akzente aus ihrem eigenen Erfahrungsbereich setzten. So gibt es in der Kathedrale von Cusco eine Abendmahls-Darstellung, bei der Jesus ein Vizcacha (Wild-Chinchilla) verspeist und



dazu Papayas genießt.

Diese beiden Kirchen umrahmen zusammen mit hübschen Arkadenhäusern die Plaza von



Cusco. Die Stadt zieht sich dann auf allen Seiten die Hänge hinauf. Besonders pittoresk ist das Viertel San Blas mit seinen engen, steil ansteigenden Gassen.

Von Cusco fährt man hinab in das sog. Heilige Tal der Inkas. In diesem fruchtbaren Gebiet gibt es weitere Inka-Ruinen, z. B. die Festung Pisaq auf einem steilen Berg



über dem Tal. Auf dem lokalen Markt konnten wir einige der hiesigen Kartoffelsorten bewundern. Es gibt hunderte von Arten in praktisch allen Farben.



Die Busfahrt an diesem Tag fand unter erschwerten Bedingungen statt. Am Vortag hatten Bauern dagegen protestiert, dass sie demnächst für ihr Wasser bezahlen sollen. Mit Hilfe gefällter Bäume und großer Felsbrocken hatten sie Strassensperren errichtet, die am Folgetag erst teilweise beiseite geräumt waren.

Nach dieser Tagestour blieb nur noch die "Königsetappe" nach Machu Picchu. Man kommt auf mehrere Arten dorthin, nur nicht auf dem Straßenweg. Die Regierung des inzwischen zu 25 Jahren Haft verurteilten Expräsidenten Fujimori hat der privatisierten Bahn in den 90er Jahren ein Monopol für den Touristentransport dorthin eingeräumt, so dass durch das Tal des Urubamba keine Straße gebaut werden darf. Die Strecke ist inzwischen keine 100 km mehr lang, da die Züge nicht mehr in Cusco abfahren, sondern erst in einem 20 Taximinuten entfernten Ort. Von dort brauchen die Züge dann immer noch vier Stunden. Für Hin- und Rückfahrt werden in der billigsten Klasse 96 Dollar verlangt.

Früher fuhr die Bahn hinter Machu Picchu weiter in die Provinzhauptstadt Quillabamba. El Nino setzte dem 1998 ein Ende. Kurz hinter Machu Picchu wurde die Strecke durch Hochwasser irreparabel zerstört. Da Quillabamba nun abgeschnitten war, das Streckenmonopol aber weiter bestand, waren die Nachfolgeregierungen gezwungen, eine Straße nach Quillabamba zu bauen, die unter Umgehung des Tals kosten- und erdrutschträchtig über den 4316 m hohen Pass Abra Malaga führt.

Dort begann meine organisierte Tour. Auf Mountainbikes rollten wir auf der inzwischen überwiegend asphaltierten Strecke bis auf 1200 m Höhe hinunter. Oben fuhren wir durch dichten Wolken. Erst spät wurde der Blick frei auf ein Seitental



des Urubamba.

Am nächsten Tag folgten wir dem Lauf des Urubamba. Durch dichten Wald ging es steil



bergan. Es gab einige kleine Kaffee- und Kakaofarmen. Der Fluss lag tief unter



uns. Der dritte Tag war etwas mühsam, da wir etliche Kilometer über die Bahngleise laufen mussten. Das Tal wurde immer enger und steiler, und oben konnten wir bereits die Ruinen erkennen.

Am vierten Morgen hieß es um vier Uhr aufstehen, um pünktlich um sechs am Eingang des archäologischen Parks zu sein. Nur zu früher Stunde hat man die Chance, eines von 400 Tickets für die Besteigung des Wayna Picchu, des "Zuckerhuts" hinter den Ruinen, zu ergattern - denn die Besucherzahlen insgesamt steigen rapide:



Zunächst lag die Anlage noch im Morgennebel, nur der Blick auf steil zum Urubamba



hin abfallenden Terrassen war frei.



Hier jetzt die Aussicht vom Wayna Picchu in verschiedene Richtungen. Ich hoffe, die



die Bilder geben wieder, wie unglaublich steil die Hänge sind.





Hier die klassische Machu-Picchu-Ansicht einmal in Schwarz-Weiß:



Abends kehrten wir mit Bahn und Bus nach Cusco zurück. Ich blieb noch einen Tag in dieser schönen Stadt und flog am Montagnachmittag nach Lima. Für den gleichen Abend war der Weiterflug mit Iberia nach Madrid gebucht. Völlig überraschend wurde ich aber aufgehalten:



Ich stand nicht auf der Passagierliste! Wie sich herausstellte, war diesmal nicht Iberia selbst schuld, sondern eine arrogante Schnepfe im LAN-Reisebüro in Cusco, die beim Rückbestätigen meines Tickets den größten Teil des Vorgangs zum Absturz gebracht hatte. Es half alles nichts: ich konnte erst am nächsten Tag fliegen und hatte dann noch sechs Stunden Wartezeit in Madrid, bis ich nach Düsseldorf weiter fliegen konnte.

Ich nutzte die Wartezeit für eine Stippvisite im Zentrum von Lima. Hierdurch wurde meine Reise endgültig abgerundet. Kurz hinter dem Flughafen fuhr das Taxi an einer Mauer vorbei, auf die quasi sämtliche Sehenswürdigkeiten aufgemalt waren, die ich in den letzten sechs Monaten besucht hatte. Bei der Wachablösung vor dem Präsidentenpalast spielte die Militärkapelle zu meinem Abschied noch einmal



"El Cóndor Pasa", und die Zeitung eines Passanten machte mir klar, dass zu Hause



die Fußballsaison zu Ende geht.

Ich sah mir noch zwei Kirchen an. In der Kathedrale findet man die Gebeine des ersten Pizarro auf peruanischem Boden. Man bemüht sich sehr um den wissenschaftlichen Nachweis,dass es die echten sind:



In der Kirche San Francisco gibt es ein weiteres Abendmahl. Diesmal verzehrt Jesus ein Meerschweinchen und isst Kartoffeln dazu.

Ich selbst gönnte mir in einem alteingessenen Lokal ein letztes Ceviche (rohe



Meeresfrüchte, mariniert in Zitronensaft und Chili) und fuhr dann zum Flughafenhotel zurück. Da ich noch etwas Zeit hatte, schaltete ich den Fernseher ein und konnte mir die verbleibende Wartezeit mit einer Kochsendung vertreiben, in der die beliebtesten vietnamesischen Gerichte an Originalschauplätzen zubereitet wurden.

Jetzt bin ich wieder und Dortmund - und hoffe, dass ihr an dieser Stelle kein Fazit erwartet. Das kommt vielleicht später, wenn ich meine Erfahrungen etwas habe sacken lassen. Jetzt bin ich erstmal froh, kein Passagier mehr zu sein.



Lasst von euch hören!

Hans

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