Hinter diesem Kuerzel verbirgt sich die groesste Stadt Vietnams. Kein Mensch schreibt Ho Chi Minh Stadt noch aus, aber offiziell wird auch nicht zu Saigon zurueckgekehrt.
In Hoi An habe ich den Plan aufgegeben, Vietnam ganz auf dem Landweg zu durchaqueren. Es blieb einfach zu wenig Zeit. Also fuhr ich 30 km zurueck nach Da Nang, um von dort nach TP HCM zu fliegen. Waehrend des Krieges war Da Nang einer der groessten US-Flugplaetze, am 30 km langen Strand bis Hoi An erholten sich die GIs. Heute laeuft dort eines der wohl gigantischten Entwicklungsprojekte Vietnams. Die gesamte Strandlaenge ist bereits in Grundstuecke fuer Resorts aufgeteilt. Wo man noch nicht mit dem Bau begonnen hat, steht zumindest eine Mauer. Daher ist der Strand von der Strasse aus fast nirgends mehr zu sehen. Da Nang selbst soll ein zweites Dubai werden, mit riesigen Hochhaeusern und einer kuenstlichen Insel.
Vier Tage Saigon haben ziemlich viel Energie gefressen. Ich kam abends an. Am naechsten Morgen wollte ich Helga abholen, daher erkundigte ich mich nach einem Flughafenbus. Treuherzig versicherten mir alle Ansprechpartner, es gebe keinen / nur Taxis. Schliesslich fand ich die Haltestelle. Sie war direkt vor dem Hotelportal.
Helgas Flug war puenktlich, die Wiedersehensfreude gross!
Nachmittags erkundeten wir die Innenstadt. Die ehemalige Rue Catinat heisst jetzt Strasse des Aufstandes, ist aber wieder die nobelste und teuerste Einkaufsmeile in Saigon geworden. Interessant war der Palast, den sich Machthaber Ngo Dinh Diem Anfang der 60er bauen liess. Eine Mischung aus hochwertiger moderner Architektur, sparsam eingesetzten asiatischen Elementen und ueberwiegend geschmackvoller Moeblierung. Allerdings erlebte Diem die Fertigstellung nicht mehr. Er war so unbeliebt geworden, dass er von seinen eigenen Militaers mit Unterstuetzung der USA ermordet wurde.
Sehenswerte Kolonialgebaeude sind die Hauptpost und die alte Oper. Ansonsten scheint es in Saigon weniger koloniale Bausubstanz zu geben als in Hanoi. Auch das Chinesenviertel Cholon ist nicht mehr sehr chinesischen, da viele Chinesen gefluechtet sind. Man findet dort aber noch eine Reihe chinesischer Pagoden.
Man kann nicht von Saigon sprechen, ohne ueber den Verkehr zu reden. Die Dunstglocke ist unglaublich. Es soll fuenf Millionen Motorraeder geben. Meist kommt man besser ueber die Strasse als erwartet, aber manchmal geht garnichts mehr. Eine solche Situation hatten wir nach dem Besuch im Zoo. An einer Kreuzung hatte sich alles verkeilt. Die Motorradfahrer benutzen dann natuerlich auch den Gehweg, um eine bessere Position zu erkaempfen. Fussgaenger gab es in dieser Gegend ausser uns keine. Irgendwie sind wir durchgekommen, es war aber furchtbar. Es geht aber auch anders: Den Versuch, den Hauptmarkt zu erreichen, wollten wir gerade aufgeben. Da sprang aus dem Nichts ein Polizist und geleitete uns sicher ueber die Strasse!
Am letzten Tag machten wir einen Tagesausflug auf den Spuren von Graham Greenes "Der stille Amerikaner". Eine Schluesselrolle in diesem Roman spielt die Cao Dai-Sekte und ihr Haupttempel in Tay Ninh. Dies ist ein riesiges, knallbuntes, ziemlich kitschiges Gebaeude. Mittags kann man der Messe zusehen. Die meisten Glaeubigen sind weiss gekleidet. Die gelb, blau und rot gewandeten Priester haben diese Farben nach Geisterbeschwoerungen errungen. Da die Regierung solche Seancen verboten hat (der Geisterglaube ist so tief verwurzelt, dass sie sich vermutlich vor den Ergebnissen fuerchtet), werden diese Farbgruppen wohl langsam aussterben. - Cao Dai ist im Delta immer noch eine bedeutende Religion. In jeder Stadt gibt es einen Tempel. Wir sahen hier auch ueberraschend viele christliche Kirchen.
Der zweite Teil des Ausflugs fuehrte zu den Cu Chi Tunneln. Mit Hilfe dieses Tunnelsystems trugen die Vietcong den Krieg bis vor die Tore Saigons. Es war bedrueckend, sich dieses jahrelange Leben unter der Erde vorzustellen, in Tunneln, die meist nur Kriechhoehe hatten. Fuer uns nicht nachvollziehbar bzw. aergerlich war aber, wie auch dieses historische Gelaende kommerzialisiert wird. Fuer immerhin 12 Euro kann man zehn Schuss Munition kaufen und dann mit automatischen Waffen beider Kriegsparteien in eine Sandgrube ballern. Etliche juengere Teilnehmer unserer Ausflugsgruppe nahmen dieses Angebot begeistert an.
Von Saigon aus flogen wir auf die Insel Phu Quoc, die von der Lage her zu Kambodscha gehoeren muesste. Anders als alles, was ich bisher von Vietnam gesehen hatte, ist sie fast voellig von Wald bedeckt. Und das soll auch so bleiben, denn der groesste Teil dieser Waelder wurde unter Schutz gestellt. Wir hatten eine tolle Unterkunft direkt am Strand, den wir mit recht wenigen Reisenden teilten. Schlimmer sah es unter Wasser aus. Bei einem Tauchgang sah ich zwar schoene Korallen, aber kaum Fische, und schon gar keine groesseren. Auf Phu Quoc gibt es Hunderte von Fischerbooten - und dazu eine beruehmte Fischsossenfabrik, die sicherlich Meeresgetier aller Arten und Groessen verwerten kann.
Jetzt sind wir im Mekong-Delta. Gestern haben wir von Can Tho aus eine Bootsfahrt ueber Flussarme, Kanaele und zu schwimmenden Maerkten unternommen. Heute sind wir in Vinh Long. Hier teilt sich einer der beiden Mekong-Hauptarme in drei weitere. Auf einer Radtour haben wir einige der dazwischen liegenden Inseln erkundet. Auf diesen Inseln gibt es keine Reisfelder. Vielmehr radelt man durch ueppige Obstgaerten. Im Moment werden gerade Litschis geerntet. Die meisten Wege auf den Inseln sind betoniert, aber nur einen guten Meter breit. Dadurch radelt man immer im Schatten der Baeume dahin. Nachmittags langten wir schliesslich am Hauptarm an und konnten die Aussicht ganz allein von der Terrasse eines einfachen Restaurants aus geniessen.
Auf Bilder muesst ihr heute leider verzichten. In diesem Internetcafe ist es drueckend heiss. Alle anderen Plaetze sind mit ballernden jungen Herren belegt, die zwischendurch auch mal gern eine rauchen. Mit anderen Worten: ich will hier raus!!
Allen, die es betrifft, wuensche ich einen schoenen Ferienbeginn!
Beste Gruesse
Hans
Donnerstag, 18. Dezember 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen