Dienstag, 30. Dezember 2008

Im Koenigreich Kambodscha

Hallo,
auch dieser Beitrag bleibt leider bildlos. Inzwischen habe ich die Fotos der letzten Wochen auf DVD brennen lassen. Leider aber liest das Laufwerk hier nur CDs.

In Phnom Penh haben wir uns den Koenigspalast angesehen, d. h. die zugaenglichen Teile. Dabei handelt es sich um die Kroenungshalle und um die Silberpagode. In letzterer / der Name legt es nahe - ist der Fussboden mit Silberfliesen belegt. In der Mitte thront ein massivgoldener Buddha, der ueber und ueber mit Edelsteinen besetzt ist.

Der Koenig heisst Sihamoni und ist der zweite Sohn des langjaehrigen Regenten und Raenkespielers Sihanouk. Sein aeltester Sohn kam als Regent nicht in Frage, da ihm eine der drei kambodschanischen Parteien gehoert.

Ausserdem waren wir im Nationalmuseum, das eine grosse Zahl bedeutender Khmer-Skulpturen aufweist.

Nach reiflicher Ueberlegung bin ich auch noch im Tuol-Sleng-Gefaengnis gewesen. Hierbei handelt es sich um eine ehemalige Schule, die von den Roten Khmer in ein Gefaengnis umgewandelt wurde. Zehntausende von Gefangenen wurden dort verhoert und gefoltert, bevor sie vor den Toren der Stadt auf den sog. Killing Fields bestialisch umgebracht wurden. Im Museum gibt es Fotos von Opfern, darunter viele Kinder. Die winzigen Einzelzellen sind zu sehen. Hier wie auch in den weiteren Gedenkstaetten im Land werden darueber hinaus Gebeine der Ermordeten ausgestellt. Da konnte ich dann immer nur schnell weitergehen. Es war einfach zu furchtbar.

In diesem armen Land kommt noch hinzu, dass Touren zu den Gedenkstaetten angeboten werden wie eine Fahrt zu einer x-beliebigen Attraktion. In Phnom Penh wurde an jeder Ecke gerufen:"Hey, Sir, you want motobike to Killing Fields?" In der Gegend um Battambang waren es Kinder, die einen zu den aufgeschichteten Schaedeln fuehren wollten, um dadurch einen Dollar zu verdienen. -

Battambang ist die zweitgroesste Stadt Kambodschas. Dort gibt es noch ganze Strassenzuege mit franzoesischen Kolonialbauten. Mit Fahrrad und der Hilfe einheimischer Motorradfahrer erkundeten wir die Umgebung.

Gestern sind wir von Battambang mit einem Schiff hierher nach Siem Reap gefahren. Ein zweifelhaftes Vergnuegen: das Boot wurde voellig ueberladen. Zahlreiche Fahrgaeste, die ebenso wie wir 20 $ bezahlt hatten, wurden auf dem Dach untergebracht, wodurch das Gefaehrt immer wieder bedenklich schaukelte. Zuerst ging es ueber einen schmalen Fluss an Stelzenhaeusern vorbei, dann auf einem Kanal, der nicht breiter war als das Schiff selbst, durch die endlosen Suempfe am Westende des Tonle-Sap-Sees. Nach acht Stunden kamen wir endlich an. Zwar hatten wir eine ganz besondere amphibische Landschaft gesehen, waren am Ende aber reichlich gestresst.

Siem Reap ist der Ausgangspunkt fuer die Angkor-Tempel. Der Tourismus boomt, und auch diese Stadt ist eine einzige Baustelle, so dass sie unter einer dicken Staubschicht liegt.

Heute Morgen radelten wir in einem stinkenden Konvoi von Motorradtaxis zu den Tempeln. Man koennte Busse einsetzen, aber das wuerde Arbeitsplaetze kosten. Heute haben wir die beiden Haupttempel gemieden, es gibt genug andere.Besonders eindrucksvoll ist einer, den man bewusst nicht vom Dschungel befreit hat. Hier sind dir Ruinen von gewaltigen Baeumen ueberwuchert - wenn ich doch nur Bilder hochladen koennte!

Kambodscha insgesamt war das haerteste der Laender, die ich auf dieser Tour bereist habe. Das liegt zum einen an der schrecklichen Vergangenheit. Man erfaehrt z. B. nicht, wo all die Schergen der Roten Khmer verblieben sind. Die fuehrenden Koepfe sind bis heute nicht verurteilt. Es gibt viele Krueppel, viele Bettler. Reichtum wird in z. T. obszoener Weise zur Schau gestellt. Wer es wirklich zu etwas gebracht hat, faehrt seinen Lexus-Gelaendewagen ohne Nummernschild. Vor allem aber ist keine Entwicklung erkennbar. Unterwegs sahen wir nur ein paar Textilfabriken. Diese waren von hohen Mauern umgeben und hatten Wachttuerme. Die Schulabschluesse werden verkauft, Jobs ebenso. Unter solchen Bedingungen ist natuerlich nahezu ausgeschlossen, dass die vorhandenen Stellen mit faehigen Leuten besetzt werden.

Jetzt bleiben noch drei weitere Tage fuer die Tempel, und dann ist auch diese lange Reise zu Ende. Ich gruesse euch ganz herzlich, wuensche euch alles Gute fuer 2009 und sage:

Bis bald!

Hans

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