Die Flughafenbesetzung in Bangkok hat Helga und mich in den letzten Tagen maechtig auf Trab gehalten. Jetzt kann sie - fast ohne Mehrkosten - ueber Kuala Lumpur anreisen, und morgen treffen wir uns in Saigon. Endlich!
Gerade habe ich in der Online-FR eine Darstellung des Gesamtablaufs der Anschlaege in Bombay gelesen. Ich konnte das kaum zu Ende lesen; diese entsetzliche Kaltbluetigkeit und Mordlust.
Nach meinem letzten Eintrag bin ich mit einem Schlafbus von Ninh Binh nach Hue gefahren. Dabei handelt es sich um Busse, die mit engen Liegen ausgestattet sind: drei nebeneinander, zwei uebereinander. Sie sind spottbillig, weil sich etliche Linien Konkurrenz machen. Ich kam ziemlich geraedert an.
Kurz vor Hue hatte ich den 17. Breitengrad ueberquert, der frueher die Grenze zwischen Nord- und Suedvietnam bildete. Dort befand sich die sog. Entmilitarisierte Zone (DMZ). Faktisch gab es dort dann mehr Militaer als irgendwo sonst im Kriegsgebiet.
Nach meiner Ankunft entkam ich einem Heer von Hotelanreissern und nahm Quartier im DMZ-Hotel. Eigenartiger Name, aber eine gute Wahl. Ringsherum allerdings Baustellen - es kommen noch viele Hotels hinzu.
Waehrend Hanoi am Roten Fluss (Hong Song)liegt, fliesst durch Hue der Parfuemfluss (Hong Suong). Vietnamesisch ist nicht einfach! Jenseits des breiten Flusses liegt die ehemalige Kaiserstadt der Nguyen-Dynastie. Nguyen ist noch gewoehnlicher als Mueller in Deutschland. Neulich kaufte ich erstmals die Viet Nam News. Ein kurzer Blick auf die offiziellen Verlautbarungen zeigte: der Staatspraesident, der Ministerpraesident, sein Stellvertreter, der Parlamentspraesident: sie alle tragen den Familiennamen Nguyen!
Seit der Ankunft der Franzosen waren die Kaiser machtlose Marionetten. Der letzte wurde 1945 von den Vietminh-Truppen abgesetzt.
Die Dynastie liess eine schachbrettartige Stadt anlegen. Die 10 km lange Umfassungsmauer ist weitgehend erhalten. In einer weiteren Ummauerung innerhalb dieser Stadt lag der kaiserliche Palast, in einer Ummauerung darin der Bereich, der nur dem Kaiser und seinen Konkubinen zugaenglich war.
Grosse Teile des Palastes wurden waehrend der Tet-Offensive 1968 zerstoert. Das kam so: die Vietcong konzentrierten Truppen in der Naehe des Huegels Khe Sanh in der DMZ. Damit wollten sie von ihrem Plan ablenken, suedvietnamesische Staedte einzunehmen. US-Oberbefehlshaber Westmoreland gelangte aber zu einer anderen Lagebeurteilung. Demnach waren die Angriffe auf die Staedte nur Ablenkungsmanoever, um von dem Plan abzulenken, den Huegel Khe Sanh zu erobern. Somit gelang es den Vietcong, Hue fuer fast einen Monat zu besetzen. Beim anschliessenden Strassenkampf fiel vieles in Schutt und Asche, Westmoreland wurde bald darauf abgeloest.
Inzwischen sind einige Palastteile wieder aufgebaut worden, so dass sich ein Besuch sehr lohnt.
Aber es sind auch noch ausgedehnte Truemmerflaechen zu sehen.
In der Naehe liessen die Kaiser prunkvolle Tempel und Graeber errichten. Sie sind heute ein beliebter Ort fuer Hochzeitsfotos. Waehrend etliche Brautpaare westlich gekleidet sind, gibt es auch viele, die traditionelle Hochzeitskleidung bevorzugen:
Die Tour zu den Graebern wird per Boot durchgefuehrt. Dabei hatte ich Gelegenheit zu sehen, wo die Hochhausbauten in der Neustadt ihren Anfang nehmen. Sand wird per Muskelkraft aus dem Flussbett gewonnen:
Am Folgetag sah ich, wie Betonziegel hergestellt wurden. U. a. gab es eine alte Frau, die auf einem Ziegel sass und mit einem Hammer Steine zerkleinerte, so dass sie die passende Groesse fuer die Betonherstellung bekamen.
Ich fuhr weiter nach Hoi An. Das ist ein ehemaliger Hafenort, von wo aus Handel mit Japan und China betrieben wurde.
In der Naehe liegen die Ruinen von My Son.
Dies war ein bedeutender Ort in Champa, Jahrhunderte lang ein bedeutendes Reich in Zentralvietnam.
Mehr dazu demnaechst, es wird jetzt Zeit fuer einen Teller Morning Glory.
Beste Nikolausgruesse
Hans
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