Montag, 17. November 2008

Herbstwetter und Hochsaison

In Luang Namtha legte ich einen Ruhetag ein. Unter anderem wollte ich mir die Haare schneiden lassen. In einer Nebenstrasse kam ich an einem wackligen Holzhaus mit einem Schild èHairdresser and Beauty Parlorè vorbei. Waehrend ich naeher trat, erschien ein glaenzend weisses Gesicht im Tuerrahmen. Ich prallte zurueck, erkannte dann aber, dass die junge Dame eine Gesichtsmaske aufgelegt hatte. Schnell wurde klar: dies war keine Kundin, dies war die Inhaberin. Sie dirigierte mich in einen Friseurstuhl. Zur Festlegung des gewuenschten Schnittes schlug sie eine abgegriffene Bangkoker Modezeitschrift auf und deutete auf einen blondierten Thai-Juengling mit punkartiger Frisur. Mangels Alternativen stimmte ich schicksalsergeben zu. Wie ihr seht, fiel das unter langsam broeckelnder Maske erzielte Ergebnis dann aber doch wesentlich ziviler aus.



Am naechsten Tag fuhr ich noch 60 km weiter nach Norden, nach Muang Sing. Zuerst gab es wieder Kautschukplantagen, dann aber ging es durch ein enges, steiles Tal mit urspruenglichem Bergwald. Der Markt in Muang Sing ist interessant, weil dort Angehoerige verschiedener Minderheiten Handel treiben. Zu den Trachten und Gebraeuchen dieser Voelker gibt es ein interessantes kleines Museum. Das hat die GTZ konzipiert und bezahlt. Eigentlich, so dachte ich, koennte ich dann auch eine deutschsprachige Beschriftung erwarten.

Aus Deutschland finanzierte Projekte scheinen ueberwiegend im Bereich Oekotourismus angesiedelt zu sein. Die Chinesen dagegen geben ihre Kautschukbaumschulen als Entwicklungshilfe aus, und die Amerikaner fuehren immer noch Krieg - diesmal gegen die Drogen.

Aufgrund unsicherer Informationen verwarf ich meinen Plan, ueber Dien Bien Phu nach Vietnam einzureisen. Ich kaufte ein Flugticket von Luang Prabang nach Hanoi und verbrachte die verbliebenen Tage am Ou-Fluss, in den Orten Nong Khiao und Muang Ngoi. Beide haben eine tolle Lage inmitten hoch aufragender Karstfelsen:



Vor dem Fernseher erlebte ich den thailaedischen Volkstrauertag mit: eine Prinzessin wurde verbrannt, die am 2. Januar (!) gestorben war.

Ausserdem tauchte in diesem Kaff ein Pickup mit belgischem Kennzeichen auf. Ein nettes und mitteilungsfreudiges junges Paar stieg aus. Die beiden waren im Juli in Belgien aufgebrochen. Als sie von Kasachstan aus nach Xinjiang einreisen wollten, war die Grenze wegen der Anschlaege in Kashgar geschlossen. Ein russisches Transitvisum wurde nur fuer fuenf Tage ausgestellt, so dass sie Sibirien in einem Hoellentempo durchqueren mussten. Teuer war dann die Einreise von der Mongolei nach China: sie mussten chinesische Nummernschilder kaufen, chinesische Fuehrerscheine usw.

Eine fuenfstuendige Bootsfahrt den Nam Ou abwaerts brachte mich vorgestern zurueck nach Luang Prabang. Auch hier gab es ganz spektakulaere Landschaftseindruecke.

Hier zwei Bilder aus Luang Prabang. Es ist aus zwei Gruenden Weltkulturerbe: wegen seiner Tempel und wegen seiner franzoesischen Kolonialarchitektur.





Das bedeutet Auflagen fuer Neubauten. Aus diesem Grund entstehen ueberall weitere "franzoesische Kolonialbauten", um dem wachsenden Bedarf an Unterkuenften gerecht zu werden.

Ausserhalb des geschuetzten Bereichs war innerhalb der beiden letzten Wochen eine neue Bar fertig geworden. Sie beschallt nun die halbe Stadt aus leistungsstarken Lautsprechertuermen.

Die Abreise nach Vietnam faellt mir nicht leicht. Das Reisen hier war - sieht man von den anstrengenden Busreisen ab - sehr stressfrei. Die Menschen waren freundlich und - bis auf meinen letzten Vermieter - ehrlich. Das Land ist landschaftlich sehr schoen, und es ist sehr ruhig, da es ja in ganz Laos nicht mehr Menschen gibt als in Saigon.

Zum Abschied hier noch die Lao-Englisch-Redewendung fuer "so aehnlich":

Same same
but different

Bis bald

Hans

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