Im Norden von Laos gibt es zahlreiche Minderheitenvoelker. Manche sind schon laenger dort als die Laoten, die meisten aber wurden vor etwa 200 Jahren aus Suedchina verdraengt. Auf unserer Tour uebernachteten wir in zwei Akha/Doerfern. Die Akha betreiben Brandrodung auf den Bergen. Das wird natuerlich nicht gern gesehen. Bisher widersetzen sich die meisten aber Versuchen, sie im Flachland anzusiedeln.
Am ersten Tag kamen wir zunaechst durch Trockenreisfelder. Dann gings ein Stueck durch den Urwald am Rande des Nationalparks. Wiederholt ueberquerten wir abenteuerlichste Brueckenkonstruktionen. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir das Dorf.
Akha-Doerfer haben zumindest drei Besonderheiten: An den Dorfeingaengen gibt es Geistertore, durch die gute Geister eintreten und boese ferngehalten werden sollen. Auffaellig sind auch die riesigen Schaukeln, die nur einmal im Jahr bei einem Fest benutzt werden. Schliesslich gibt es kleine Haeuser, in denen die Jugendlichen beiderlei Geschlechts schlafen. Anscheinend in grosser Libertinage; erst wenn eine junge Frau schwanger wird, sucht sie sich einen festen Partner aus.
Die Holzhaeuser stehen auf Stelzen, das haben sie mit den Haeusern der Laoten gemeinsam. Alle Arten von Vieh laufen frei im Dorf herum.
Die Wanderung am zweiten Tag fuehrte durch aufgegebene Opiumfelder. Hongthong erklaerte aber, dass auf versteckten Feldern in den Bergen weiterhin Mohn angebaut wird. Wie mussten die Tour abkuerzen. Zwei von uns litten unter Durchfall. Deshalb mussten wir in einem anderen Dorf als dem vorgesehenen uebernachten. Die Nacht war furchtbar, denn wir hatten nur duenne Decken bekommen. Das Holzhaus war aber zugig, und es wurde sehr kalt.
Morgens warfen wir noch einen Blick in die Dorfschule. Eine Lerngruppe musste das kleine Einmaleins aufsagen. Insgesamt waren etwa 30 Schueler anwesend, ganze zwei davon waren Maedchen. Die uebrigen arbeiteten offensichtlich auf dem Feld oder passten auf kleinere Geschwister auf. Die gab es in den Doerfern reichlich. Familienplanung wird zwar propagiert, es werden auch kostenlos Kondome ausgegeben, aber offensichtlich ohne grossen Erfolg.
Am dritten Tag waren wir noch in einer Hoehle und besuchten ein Dorf der Lamu/MInderheit. Bei den Lamu leben mehrere Familien in einem gemeinsamen Haus.
Insgesamt war das eine hoechst spannende Tour, an die ich sicherlich noch lange denken werde.
Die 60 km bis Luang Namtha fuehrten ueberwiegend durch oede Kautschukplantagen, die fuer Chinas Reifenindustrie produzieren.
Nach einem Erholungstag gestern habe ich heute einen Tagesausflug nach Muang Sing gemacht. Von dort bis China sind es nur noch 10 km. Anfangs gab es noch reichlich Kautschuk, dann aber verlief die Strasse in einem engen Flusstal durch unberuehrten Bergwald. Muang Sing ist ein Marktort fuer verschiedene Minderheiten, entsprechend farbenfroh geht es dort zu.
Ihr habt auch die raetselhafte Ueberschrift gelesen? Prima. Dann sollt ihr jetzt aufgeklaert werden. Am zweiten Wandertag vertraute Hongthong mir an, er kenne ein deutsches Lied aus dem II. Weltkrieg. Ich war auf das Schlimmste gefasst, nicht aber darauf, dass er dann froehlich lostraellerte: "Guantanamera, guajira Guantanamera..."
Beste Gruesse
Hans
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