Nach der Wanderung durch den Torres-del-Paine-Park reiste ich erneut nach Argentinien ein, um zum Perito-Moreno-Gletscher zu gelangen. Der chilenische Grenzposten wies eine Schranke in der Pampa auf, die durch ein Vorhängeschloss gesichert war. Ich war als erster dran und musste warten, bis frische Stempelfarbe eingefüllt war. Das dauerte seine Zeit, denn chilenische Stempel sind zweifarbig wie früher in der DDR. Auf der argentinischen Seite dagegen war es wie immer wesentlich unkomplizierter. Der Fernseher lief auf vollen Touren, für die langen Stunden, in denen keiner über die Grenze kommt, gab es eine Tischtennisplatte. Verständlich, dass da noch niemand Zeit gefunden hatte, den Stempel auf das aktuelle Datum umzustellen.
Sobald man die Grenze überschritten hat, scheint die Sonne, da die Regenfronten immer vom Pazifik kommen und sich über Chile abregnen. Ausserdem gibt es dort trinkbaren Kaffee, und auch das Essen ist deutlich schmackhafter als in Chile.
Schafe, Ñandús und Guanakos teilen sich das spärliche Nahrungsangebot. Auch in der Pampa wird es immer trockener, und die Schafzucht lohnt sich in vielen Gegenden nicht mehr.
Nach vier Stunden Fahrt erreichten wir El Calafate, zu deutsch Die Südliche Blaubeere. Der Ort ist innerhalb von 20 Jahren von 4000 auf 20000 Einwohner gewachsen. Diese hoffen, vom Gletschertourismus zu profitieren oder von der Nähe zum Präsidentenpaar Kirchner, das hier eine Residenz besitzt.
Kurze Zeit später waren wir am Gletscher. An diesem Tag stürzten keine spektakulären Eisstücke in den See, aber auch so ist der Anblick fantastisch:
Abends fuhr ich nach El Chaltén weiter. Das ist der jüngste Ort Argentiniens. Er wurde gegründet, um das Fitz-Roy-Massiv touristisch zu erschliessen. Der Strasse dorthin ist inzwischen aspaltiert, und seit dieser Saison gibt es sogar einen Geldautomaten. Von dort aus unternimmt man Wanderungen zum Cerro Torre und zum Fitz Roy selbst. Beide Massive stechen durch ihre ungewöhnlich spitzen Gipfel hervor. Hier der Fitz Roy:
Am Ziel der Fitz-Roy-Wanderung blickt man auf den Gipfel, zwei Seen davor und zwei Gletscher. Auf der anderen Seite geht der Blick über mehrere Bergseen zum riesigen, türkisfarbenen Lago Viedma in der Ebene. Ein unvergessliches Panorama.
Was für Touristen gibt es eigentlich in dieser Gegend der Welt? Betrachten wir dazu das folgende Foto:
Alle jungen Israelis scheinen nach dem Militärdienst nur zwei Ziele zu kennen: Südostasien oder eben Patagonien. Meistens reisen sie in grösseren Gruppen und versuchen, so wenig Geld wie möglich auszugeben. Bis Ende Februar gab es auch viele einheimische Touristen, aber jetzt sind die Schulferien zu Ende.
Abschied von El Chaltén, Aufbruch zur bislang längsten Busfahrt. 14 Stunden durch die Pampa nach Los Antiguos. Die Fahrer stärkten sich mit reichlich Mate:
Die Fahrt führte über die in Motorradfahrerkreisen legendäre Ruta 40. In diesem Teil
Argentiniens ist sie zum grössten Teil unasphaltiert. In den 14 Stunden kamen wir durch zwei winzige Orte und legten eine Rast auf der Estancia "La Siberia" ein. Alles andere war leeres Land.
Bei Los Antiguos reiste ich wieder nach Chile ein. Wieder absurd lange Kontrolllprozeduren, dann war ich in dem Flecken Chile Chico mit seinem warmen Mikroklima. Von hier aus fuhr ich in einem Kleinbus am Südufer des Lago General Carrera entlang. Auf einer Piste ging es hoch über dem See langsam vorwärts. Auch hier wieder ein intensives Türkis, dahinter schneebedeckte Berge.
Zielort war diesmal Puerto Bertrand. Der Ort liegt an der Carretera Austral. Das ist eine gut 1000 km lange Piste, die das Pinochet-Regime in den Wald schlagen liess, um den Süden zu erschliessen. Zusammen mit vier anderen Reisenden wollte ich am vergangenen Sonntag nach Norden weiterreisen. Wir hatten nicht bedacht, dass dies der letzte Ferientag war. Zwar kamen mehrere Busse vorbei, aber alle waren bereits voll mit Schülern und Studenten, die an ihre Studienorte zurückkehrten. Erst im dritten Bus konnten wir stehend mitfahren.
Das war anstrengend, und ich sah nichts von der Landschaft. Deshalb verliess ich diesen Bus nach 2 Stunden im 50 km entfernten Puerto Río Tranquilo. Zwei andere Deutsche stiegen auch aus, nachmittags unternahmen wir gemeinsam eine Fahrt - immer noch auf dem Carrera-See - zu schönen Marmorformationen.
Anschliessend versuchte ich, einen Busplatz für den Folgetag zu reservieren. Ich war mir sicher, dass müsse ganz einfach sein, da ich alle Lernwilligen bereits an ihren Zielorten wähnte. "Oh nein", sagte die Dame in dem Lädchen mit Telefon, "die Busplätze werden im Lauf der Woche noch knapper. Nur einige fahren schon sonntags zur Schule zurück!"
Also, liebe Kolleginnen und Kollegen: Wenn Onkel Hasan zum dritten Mal am letzten Tag der Osterferien gestorben ist und deshalb der Rückflug umgebucht werden musste, dann denkt daran: so etwas gibt es auch in anderen Teilen der Welt.
Es liess sich kein Platz mehr reservieren, und während wir drei beim Frühstück an der Tankstelle sassen, erschienen immer mehr trampende Israelis an der Carretera. In dieser aussichtslosen Situation half uns der Tankwart. Er sah, dass Don Osvaldo (70) mit seinem klapprigen Kleinbus erschienen war und bereits mit den Trampern verhandelte. Dort konnten auch wir dann noch mitfahren. Osvaldo lieferte einen umfangreichen regionalkundlichen Vortrag und schimpfte auf die Regierung, wobei die Hände nicht immer am Steuer blieben. Er machte mit uns auch noch einen interessanten Abstecher zu steinalten Indio-Felsmalereien. Diese liegen in der Nähe des Cerro Castillo (Schlossberg).
So kam ich dann am Spätnachmittag in dieser Stadt an - und musste mich gleich wieder um die Weiterreise kümmern. Das Schiff heute ist ausgebucht. Mit Ferienende ändern sich die Fahrpläne, keiner kennt die neuen. Ausserdem spuckt der Vulkan Chaitén wieder, so dass die Strasse nach Norden immer wieder gesperrt wird. Schlussendlich konnte ich für morgen ein Flugticket nach Puerto Montt ergattern. Ab dort müsste die Infrastruktur dann besser sein.
Für heute bleiben noch die wesentlichen Sehenswürdigkeiten dieser Stadt: ein Felsen in Form eines Indiokopfes, drei bunt angestrichene Landmaschinen und das Denkmal des Matetrinkers. Ich bin gespannt.
Beste Grüsse
Hans
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